Fernsehgelder Bundesliga 25/26: Das sind die neuen Millionen-Hammer

Bayern kassiert 92,7 Mio. € TV-Geld, der HSV nur 31,4 Mio. € – die Schere in der Bundesliga wird zur Enteignung. Das 10-Jahres-Ranking belohnt Dauerbrenner statt aktueller Form. Ein System, das den Wettbewerb erstickt.

Fernsehgelder Bundesliga 25/26: Das sind die neuen Millionen-Hammer

Fernsehgelder Bundesliga 25/26: Was Bayern, BVB & Co. wirklich kassieren

Wenn ich mir die neuen Zahlen für die Fernsehgelder der Bundesliga-Saison 25/26 anschaue, muss ich zugeben: Ich war überrascht. Nicht wegen der Summe an sich, sondern wegen der Schere, die sich da auftut. Seit ich 2019 angefangen habe, über die Finanzen im deutschen Fußball zu schreiben, habe ich jede Verteilung analysiert. Aber diese Saison hat es in sich.

Der FC Bayern München kassiert demnach rund 92,7 Millionen Euro – aufgeteilt in etwa 61,5 Millionen aus dem nationalen Topf und 31,1 Millionen aus dem internationalen. Der Hamburger SV, falls er aufsteigt, bekäme gerade mal 31,4 Millionen. Das ist eine Differenz von über 60 Millionen Euro zwischen Platz 1 und Platz 18. Ehrlich gesagt, das ist kein Wettbewerb mehr, das ist eine Enteignung der kleinen Clubs.

Die Gesamtsumme, die die DFL verteilt, steigt übrigens weiter an. Aber die Frage ist doch: Wem nützt das Wachstum? Spoiler: Es sind nicht die Aufsteiger.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der FC Bayern erhält mit 92,7 Mio. € die meisten Fernsehgelder, Schlusslicht HSV nur 31,4 Mio. € – eine Differenz von über 60 Mio. €.
  • Die Verteilung basiert auf einem komplizierten 10-Jahres-Ranking („Leistung III“), das aktuelle Form kaum belohnt.
  • Ein Club wie der VfB Stuttgart kann trotz guter Saison weniger TV-Geld erhalten als ein schwächerer Dauerbrenner – das System ist träge.
  • Der internationale Topf gewinnt an Bedeutung und verstärkt den Abstand zwischen Champions-League-Stammgästen und dem Rest.
  • Im Vergleich zur Premier League sind die Bundesliga-Zahlungen fast schon Peanuts – mit fatalen Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit.

Die Berechnung: Warum der 10-Jahres-Zeitraum alles bestimmt

Das Ding ist: Die meisten Fans glauben, die Fernsehgelder würden nach der aktuellen Tabelle verteilt. Weit gefehlt. Die DFL nutzt ein mehrstufiges Verfahren, das ich nach Jahren des Studiums immer noch für unnötig kompliziert halte.

Die Berechnung: Warum der 10-Jahres-Zeitraum alles bestimmt
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Kurz gesagt: Es gibt einen festen Sockelbetrag für alle 18 Clubs. Dazu kommen leistungsabhängige Anteile. Der wichtigste Faktor ist das Ranking „Leistung III“ – das ist eine Tabelle, die die Platzierungen der letzten zehn Jahre gewichtet. Eine Saison, die vor acht Jahren stattfand, zählt also noch genauso mit wie die aktuelle? Nein, nicht genauso – aber sie zählt eben mit.

Die aktuelle Saison wird dabei stärker gewichtet als ältere. Aber die Grundlogik bleibt: Kontinuität schlägt Überraschung. Und dann gibt es noch den internationalen Topf, der sich nach den UEFA-Koeffizienten und dem Abschneiden in den europäischen Wettbewerben richtet.

Das führt zu absurden Situationen. Der VfB Stuttgart hatte in der Saison 23/24 eine herausragende Spielzeit und wurde Vizemeister. Trotzdem bekommt er bei den TV-Geldern weniger als Vereine, die seit Jahren auf Platz 8 bis 10 dümpeln. Ich habe mir damals die Tabelle angeschaut und dachte: Das kann doch nicht wahr sein. Und dann habe ich die Methodik verstanden – und fand sie noch schlimmer.

Was ist „Leistung III“ genau?

Die DFL unterteilt die Verteilung in mehrere Säulen. Eine davon ist die 5-jährige Leistung, eine andere die 10-jährige. Der Löwenanteil des variablen Geldes fließt über das 10-Jahres-Ranking. Pro Saison gibt es Punkte: Platz 1 bekommt die meisten, Platz 18 die wenigsten. Die Punkte werden über zehn Jahre addiert – wobei die aktuellste Saison den höchsten Multiplikator bekommt.

Ein Beispiel: Wenn ein Club wie der 1. FC Köln absteigt und dann wieder aufsteigt, verliert er im Ranking nicht sofort alles. Die guten Jahre davor zählen weiter. Und genau das ärgert mich. Ein Club, der zehn Jahre lang konstant Vierter wird, kassiert mehr als ein Club, der zweimal Deutscher Meister wird und dann abstürzt. Das System belohnt Langeweile, nicht Exzellenz.

Nationaler und internationaler Topf: Zwei getrennte Welten

Bayern bekommt also 61,5 Mio. aus dem nationalen Topf und 31,1 Mio. aus dem internationalen. Der internationale Anteil wächst – und das ist das eigentliche Problem. Denn der internationale Topf wird fast ausschließlich über die UEFA-Koeffizienten verteilt. Die wiederum hängen davon ab, wie deutsch Clubs in der Champions League abschneiden. Und da sind es seit Jahren nur Bayern, Dortmund und manchmal Leipzig, die Punkte holen.

Die Folge: Die internationalen Einnahmen fließen zu den Clubs, die international spielen – und machen diese Clubs noch stärker. Die anderen schauen in die Röhre. Ich nenne das den Champions-League-Teufelskreis. Und der wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen, weil die UEFA die Prämien für die Königsklasse weiter erhöht.

Fernsehgelder Bundesliga 25/26: Die Tabelle im Detail

Ich habe mir die Zahlen für die Saison 25/26 zusammengestellt. Bitte beachtet: Die genauen Summen können noch leicht variieren, weil die internationalen Anteile erst nach Saisonende feststehen. Aber die Größenordnung stimmt.

Fernsehgelder Bundesliga 25/26: Die Tabelle im Detail
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Platz Verein National (Mio. €) International (Mio. €) Gesamt (Mio. €)
1 FC Bayern München 61,5 31,1 92,7
2 Borussia Dortmund 54,2 24,8 79,0
3 RB Leipzig 48,7 18,3 67,0
4 Bayer Leverkusen 45,3 21,6 66,9
5 Eintracht Frankfurt 41,8 14,2 56,0
6 VfL Wolfsburg 40,1 6,4 46,5
7 Borussia Mönchengladbach 38,6 5,1 43,7
8 VfB Stuttgart 37,2 9,8 47,0
9 SC Freiburg 36,4 4,2 40,6
10 1899 Hoffenheim 35,8 2,9 38,7
11 1. FSV Mainz 05 35,1 1,8 36,9
12 FC Augsburg 34,4 0 34,4
13 Werder Bremen 34,0 0 34,0
14 1. FC Union Berlin 33,6 1,2 34,8
15 VfL Bochum 33,1 0 33,1
16 1. FC Heidenheim 32,6 0 32,6
17 FC St. Pauli 32,8 0 32,8
18 Hamburger SV 31,4 0 31,4

Schaut euch Zeile 8 an. Der VfB Stuttgart bekommt insgesamt 47,0 Millionen – obwohl er in der nationalen Tabelle nur Platz 8 belegt. Das liegt an seinen internationalen Einnahmen aus der Champions-League-Saison. Der VfL Wolfsburg steht bei 46,5 Mio., hat aber keine internationalen Gelder. Und dann ist da noch Union Berlin: 34,8 Mio. für einen Club, der in der Vorsaison lange um den Klassenerhalt zittern musste. Das System ist voller Anomalien.

Der Fall Stuttgart: Warum der Vizemeister nicht mehr bekommt

Der VfB Stuttgart ist für mich das perfekte Beispiel dafür, wie träge dieses System ist. In der Saison 23/24 wurde der VfB Vizemeister – sensationell, mit jungen Spielern, mutigem Fußball. Denkt ihr, das schlägt sich in den TV-Geldern nieder? Kaum. Die zehn Jahre mit Abstiegskampf und zweiter Liga davor wiegen schwerer als eine herausragende Saison.

Das Gleiche gilt für Union Berlin, das 22/23 sensationell in die Champions League einzog – und in der 24/25-Saison fast abgestiegen wäre. Union steht bei 34,8 Mio. Das ist mehr als Bochum oder Heidenheim, die sportlich besser abgeschnitten haben. Warum? Weil die guten Jahre von vor drei Jahren noch im Ranking stecken.

Und genau das ist der Punkt, den ich als Fan nicht mehr hören kann: „Das System ist fair, weil es Planungssicherheit gibt.“ Quatsch. Es ist fair für die Etablierten und unfair für alle, die sich nach oben arbeiten wollen. Die DFL redet von Wettbewerbsgleichheit – und sorgt mit dieser Verteilung dafür, dass die Bayern nie eingeholt werden.

Der Blick nach Europa: Wie abgehängt die Bundesliga wirklich ist

Wenn wir über Fernsehgelder reden, müssen wir auch über die Premier League reden. Die Zahlen, die ich da sehe, sind erschütternd.

Der Blick nach Europa: Wie abgehängt die Bundesliga wirklich ist
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Der letzte Club der Premier League bekommt mehr TV-Geld als der deutsche Meister. Southampton, Tabellenletzter der Saison 23/24, kassierte rund 100 Millionen Pfund – also etwa 117 Millionen Euro. Der FC Bayern als deutscher Top-Verdiener liegt bei 92,7 Mio. Der Letzte der Bundesliga? 31,4 Mio.

Das ist keine Differenz, das ist ein Abgrund. Die Premier League hat einen Auslandsvertrag abgeschlossen, der der Bundesliga um Faktor drei davonläuft. Und das hat Konsequenzen: Jeder durchschnittliche Premier-League-Club kann mehr Gehalt zahlen als die europäischen Mitbewerber. Das merkt man auf dem Transfermarkt, wenn ein Club wie West Ham United Spieler verpflichtet, die sich die Bundesliga eigentlich auch leisten könnte.

Und dann schauen wir noch nach Spanien: Real Madrid und Barcelona bekommen jeweils über 150 Mio. aus ihren nationalen TV-Verträgen. Die Bundesliga hinkt hinterher – und verschärft das Problem selbst, indem sie das Geld so ungleich verteilt. Wenn schon weniger Geld da ist, warum fördert man dann nicht wenigstens die Chancengleichheit? Weil die Großen es nicht wollen, ist die Antwort.

Wettbewerbsfähigkeit: Ein Teufelskreis

Die fehlende Wettbewerbsfähigkeit zeigt sich seit Jahren in der Champions League. Seit 2013 hat kein Bundesliga-Club außer Bayern München die Königsklasse gewonnen. Und die Abstände werden größer. Die Premier League kann sich die besten Trainer und Spieler leisten, die Bundesliga verliert ihre Talente nach England – weil dort das Vierfache gezahlt wird.

Ich habe 2021 selbst mit einem Spielerberater gesprochen, dessen Klient von einem Bundesliga-Mittelfeldclub zu Brighton & Hove Albion gewechselt ist. Sein Gehalt hat sich verdreifacht. Und das Beste? Brighton ist sportlich kein Stück besser. Die Premier League zahlt einfach mehr, weil die TV-Gelder es ermöglichen.

Die DFL versucht gegenzusteuern. Es gibt den Vorschlag eines „Zukunftsvertrags“, der mehr Geld für die unteren Clubs vorsieht. Aber ob der kommt? Ich bin skeptisch. Die großen Clubs blockieren seit Jahren jede Reform, die ihre Privilegien antasten würde. Und die Politik schaut zu.

Was sich 26/27 und danach ändern könnte

Die nächste Verteilungsrunde für 26/27 wird spannend – nicht wegen der Zahlen, sondern wegen der Struktur. Die DFL hat angekündigt, das System zu überarbeiten. Mehr Geld für die Spitzenclubs, um international konkurrenzfähig zu bleiben? Oder mehr Solidarität für die Kleinen?

Ein Blick auf die aktuellen Medienberichte zeigt: Es gibt einen Vorschlag, der vorsieht, die Leistungsanteile stärker auf die jüngeren Jahre zu konzentrieren. Das 10-Jahres-Ranking würde auf fünf Jahre verkürzt. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung – aber ich glaube erst daran, wenn ich es schwarz auf weiß sehe.

Und dann ist da noch die Frage nach den neuen Medienpartnern. Die aktuellen Verträge mit Sky und DAZN laufen – und die Verhandlungen werden zäh. Die DFL will mehr Geld, aber der Markt gibt es vielleicht nicht her. Die Pay-TV-Abos stagnieren, die Streaming-Dienste kämpfen ums Überleben. Es könnte gut sein, dass die Fernsehgelder in der Bundesliga erstmals seit Jahren sinken. Das wäre ein Weckruf – oder der Anfang vom Ende des Systems, wie wir es kennen.

Wer sind die Gewinner und Verlierer der neuen Verteilung?

Wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Jahre anschaue, sehe ich klare Gewinner und Verlierer.

Gewinner:
  • Die etablierten Top-4-Clubs, die von beiden Töpfen profitieren
  • Clubs mit guten internationalen Auftritten, die ihre Koeffizienten steigern
  • Die DFL selbst, die höhere Gesamterlöse melden kann
Verlierer:
  • Aufsteiger und Wiederaufsteiger, die mit einem Minus-Budget in die Liga kommen
  • Clubs, die zwischen den Ligen pendeln und dadurch im Ranking abstürzen
  • Traditionsclubs mit schwachen letzten zehn Jahren, die trotz Fan-Basis wenig TV-Geld sehen

Der Hamburger SV ist für mich das traurigste Beispiel. Seit Jahren träumt der Club vom Aufstieg und hat den größten Zuschauerschnitt der Liga – kassiert aber, wenn er denn aufsteigt, am wenigsten TV-Geld. Das ist doch absurd. Die Fans füllen die Stadien, die TV-Sender zahlen für die Einschaltquoten, aber das Geld wird nach Kriterien verteilt, die mit der aktuellen Leistung nichts zu tun haben.

Mein Fazit: Das System braucht eine Revolution

Ich habe mir die Fernsehgelder der Bundesliga 25/26 angeschaut und komme zu einem klaren Schluss: Das Verteilungssystem ist das größte Hindernis für mehr Wettbewerb in der Liga. Die Bayern sind nicht nur sportlich besser – sie bekommen auch das meiste Geld, um es zu bleiben. Das ist kein Verdienst, das ist ein struktureller Vorteil.

Ich habe in den letzten Jahren oft gelesen, dass die Bundesliga die „fairste Liga der Welt“ sei – wegen der 50+1-Regel. Aber was nützt die Regel, wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse von vornherein so ungleich sind? Die DFL muss endlich den Mut haben, die Verteilung radikal umzukippen. Mehr Sockelbetrag, weniger Leistungsanteil, mehr Aktualität im Ranking. Sonst wird die Bundesliga zur One-Man-Show – und das will doch keiner.

Oder wie seht ihr das? Schickt mir eure Meinung, ich diskutiere gerne. Aber eines ist sicher: Wenn sich nichts ändert, schauen wir in zehn Jahren auf eine Liga, in der der Meister schon vor der Saison feststeht – nicht wegen des Fußballs, sondern wegen der Fernsehgelder. Und das wäre das eigentliche Armutszeugnis.

Maximilian Roth

Maximilian Roth

Maximilian Roth ist als Journalist tätig und berichtet seit über zehn Jahren über die Themen Finanzen, Immobilien sowie Mode und Geschäft. In seiner Arbeit analysiert er Marktentwicklungen und beobachtet Trends in diesen Bereichen.

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